Sollte ein Freiberufler eine eigene Webseite betreiben?

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PC: Lara Jameson/ Pexels

Jedes Unternehmen hat das Ziel, Produkte und Services zu verkaufen. Die Antwort auf die Frage, ob eine Website für das Erreichen dieses Ziels erforderlich ist, ist einfach :

Wenn Sie einen Online-Shop betreiben, brauchen Sie unbedingt eine Homepage.   

Wenn Sie in einem anderen Sektor tätig sind, besteht keine Verpflichtung für eine Internetseite. Diverse andere Vertriebskanäle sind möglich. Nichtsdestotrotz ist eine Homepage stets sehr zu empfehlen.   

Gute alte analoge Verkaufsmethoden

Auch vor der Erfindung des Internet haben die Menschen bereits Geschäfte betrieben. Zum Beispiel durch das Anpreisen von Waren und Dienstleistungen auf dem Marktplatz.  

Andere populäre Methoden, die auch heute noch verwendet werden : Haustürverkauf, physische Boutiquen, diverse Formen von Street Marketing, Mundpropaganda oder teure TV-Spots.

Für lokale Unternehmen ist Mundpropaganda ein großartiger Marketing-Kanal. Wenn Sie der beste Bäcker in der Stadt sind, haben Sie bestimmt zufriedene Kunden die Sie all ihren Freunden weiterempfehlen. In diesem Fall benötigen Sie gar keine Online-Präsenz.

Aber wie gut können nicht-digitale Methoden funktionieren, wenn Sie der beste IT-Consultant oder SEO-Redakteur in der Stadt sind ? An fremde Türen zu klopfen, wird Ihnen wahrscheinlich nicht erlauben, viele neue Kunden zu finden. Wenn Sie sich mit einem Megaphon auf einen belebten Platz stellen, mögen Sie mehr Kunden acquirieren, doch werden Sie diese Aktion wohl mehrmals wiederholen müssen…

Mundpropaganda kann in der Tat klappen – wenn Sie ein starkes professionelles Netzwerk und zufriedene Kunden haben. Es gibt freiberufliche Consultants, die mit Mundpropaganda erfolgreich arbeiten, ohne eigene Webseite, und sogar ohne Linkedin-Profil. Diese sind aber die Ausnahme. Für die meisten Einzelunternehmer wird es schwierig sein, auf diese « traditionelle » Weise zu operieren.

Benötigen Digital Marketing Professionals eine eigene Webseite ?

Digitalisierung betrifft heute alle Lebensbereiche und alle Geschäftsfelder. Mundpropaganda kann für Handwerker gut funktionieren, wie wir gesehen haben, und in manchen Fällen auch für Business Consultants.

Selbst Freelancer im digitalen Bereich können ihren Beruf ohne eine Webseite ausüben. Sie müssen lediglich über andere Wege ausreichend Kunden finden : Mundpropaganda, Social Media-Profile, Freelancer-Plattformen.

Nehmen wir an, dass Sie ein SEO Copywriter sind : Es ist nicht unmöglich, über die Beantwortung von Anzeigen auf Freelancerseiten Aufträge zu finden. Sie müssen aber wahrscheinlich zehn Firmen kontaktieren, um dann zwei Antworten zu erhalten. Im Anschluss werden Sie höflich eingeladen, einen kostenfreien Testartikel zu verfassen, und danach stehen die Chancen 50 :50, dass Sie den Job bekommen. Wenn Sie eine eigene Seite mit einem Blog haben, brauchen Sie keine Testartikel mehr zu schreiben, um zu beweisen, dass Sie das Alphabet beherrschen.

Wenn Sie ein Freelance-Webdesigner sind, ist die Situation sogar noch schwieriger. Natürlich besteht keine formelle Verpflichtung, dass Sie eine eigene Website erstellen. Gibt es aber irgendeinen ernsthaften Grund dafür, dass Sie keine haben ? Wenn Sie anderen Leuten anbieten, Webseiten zu gestalten, selbst aber über keine verfügen, liegt schnell ein Glaubwürdigkeitsproblem vor. 

Sind Freelancer-Plattformen eine gute Alternative ?

Es gibt Dutzende Freelancer-Seiten im Netz. Leider sind viele davon für europäische professionelle Selbständige uninteressant. Eine Anmeldung auf einer solchen Seite bedeutet oft : unattraktive Angebote, Anfragen für kostenpflichtige Abonnements mit einem unklaren Preis-Leistungs-Verhältnis, zahlreiche Spam-Emails, und die Konkurrenz mit Low Cost-Freelancern aus Afrika und Asien mit einem Tagessatz von 5 EUR.

Seriöse Freelancing-Seiten mit interessanten Missionen sind rar. Und wenn Sie es schaffen, auf einer von ihnen einen Job zu bekommen, dann fällt eine Vermittlungsprovision für den Plattformbetreiber an, eventuell sogar zusätzlich zu einem Basis-Abonnement. Außerdem verbieten die AGB der Plattform den Kunden, mit Ihnen neue Aufträge außerhalb der Plattform abzuschließen. 

Können Social Media-Profile eine Internetseite ersetzen?

Soziale Netzwerke erlauben eine Online-Präsenz, die einfacher und billiger einzurichten ist als eine Homepage-Anmeldung.

Auf Linkedin kann man in wenigen Minuten und völlig kostenfrei ein Profil erstellen. Wenn dieses Profil ansprechend gestaltet ist und guten Content bietet, können neue Kunden gewonnen werden – unter den anderen Linkedin-Usern. Wenn aber das Zielpublikum nicht auf Linkedin ist, oder dieses das Netzwerk nicht aktiv nutzt, wird die Prospektion leider weniger erfolgreich sein.

Viele Youtuber kommen alleine durch Werbeeinnahmen auf einen guten Verdienst. Interessanterweise richten viele von ihnen aber auch eine Homepage ein, wenn sie eine gewisse Followerzahl erreichen, insbesondere für den Verkauf von Merchandising-Artikeln.

Auf Tiktok, Twitter etc. kann Influencer Marketing betrieben werden, etwa für Beauty-Produkte. Erfolgreiche Influencer starten dann oft eine eigene Produktlinie. In diesem Fall sind die Bestellungen und der Kundendienst zu managen. Theoretisch kann dies durch die Kommunikation einer Telephonnummer oder einer Mail-Adresse erfolgen …

Top Influencer entscheiden sich aber meist für eine eigene Webseite. Kim Kardashian, die die bescheidene Zahl von 75 Millionen Followern auf X (früher Twitter) hat, verkauft ihre Hautpflegeartikel über eine professionelle E-Commerce-Seite, die ein gutes Shopping-Erlebnis erlaubt.  

Bei allen Social Media-Netzwerken sind folgende wichtige Punkte zu berücksichtigen :

  • Die komplexen Algorithmen des Netzwerks entscheiden, wer Ihre Posts sieht, und wer sie nicht sieht
  • Es ist schwierig, ältere Posts eines Creators (erneut) zu lesen, selbst wenn die Inhalte sehr gut sind
  • Die Länge der Posts ist begrenzt
  • Die Content Policies sind streng. Selbst große Influencer werden manchmal sanktioniert, ohne dass sie die genauen Gründe verstehen.
  • Profilbesucher wechseln schnell von Ihrem Profil auf die Profile anderer Personen.
  • Ihr Profil (ohne eigene Homepage) steht im Wettbewerb mit Profilen anderer User, die eine gute Homepage anbieten.

Wie nützlich sind Landing Pages ?

Landing Pages sind grundsätzlich eine kürzere oder längere einzelne Seite, die wie ein erweitertes Bestellformular funktioniert, für einen Anmelde- oder Bezahlvorgang.

Da für das Erstellen weniger technische Fähigkeiten erforderlich sind als für das Gestalten einer aufwendigen Homepage mit diversen Rubriken, sind Landing Pages bei vielen Leuten sehr beliebt.

Eine Landing Page kann als eine einzelne eigenständige Seite verwendet werden, oder zu einer regulären Webseite hinzugefügt werden, etwa um ein bestimmtes Event zu bewerben.

Der Erfolg einer Landing Page hängt von der Value Proposition des Freelancers ab. Personen mit einer qualitativen regulären Webseite können problemlos eine Landing Page hinzufügen, zum Beispiel um eine Schulung zu vermarkten.

Charismatische Influencer, die ihr Talent in Videos oder ansprechenden Social Media Postings zeigen, können mit einer einzelnen Landing Page gute Verkaufszahlen erzielen. Für Freelancer, die in ihrem Bereich zwar technisch gut sind, aber weniger Verkaufstalent haben, wird es schwieriger sein, potentielle Käufer mit nichts anderem als einem erweiterten Bestellformular (einer Landing Page) zu überzeugen.

Die Vorteile einer eigenen Webseite 

Eine professionelle Webseite ist ein perfekter Promotionskanal für Ihre Arbeit, und sie bietet viel mehr Möglichkeiten als ein Social Media-Profil oder eine Landing Page :

Eine uneingeschränkte digitale Erreichbarkeit für Internetnutzer in der ganzen Welt ist möglich, während Social Media-Profile ausschließlich für registrierte Mitglieder zugänglich sind. Wenn Ihre Seite mobile friendly ist, kann sie sogar während einer Busfahrt konsultiert werden.  

Personal Branding : Eine Homepage erlaubt Freelancern, ihre Qualifikationen, Werte, ihren Lifestyle etc., durch verschiedene Inhalte vorzustellen.  

Professionelles Portfolio: Ihre Homepage zeigt, was Sie in Ihrem konkreten Fachgebiet leisten können. Seitenbesucher können die Qualität Ihrer Arbeit einsehen. Wenn Sie ein Photograph sind, sollte Ihre Seite gute Bilder beinhalten. Bei einem Webredakteur sollte man gute Blogartikel finden. Ein Webdesigner sollte eine Seite mit einer guten technischen Struktur haben, etc.

Unbegrenzte Content-Möglichkeiten : Sie können beliebig viele Blogartikel publizieren, und diese können so lang sein, wie Sie es für richtig halten. Sie können Texte mit visuellen Inhalten kombinieren, Youtube-Videos integrieren, und vieles mehr.   

Die Rede- und Meinungsfreiheit (innerhalb der Grenzen der Charter des Content Management Systems) ist generell besser als auf den großen Social Media-Netzwerken.   

Kombination mit Social Media : Sie können von Ihrer Seite auf Ihr Linkedin-Profil, Ihren Youtube-Channel etc. verlinken.                                                                                                                           

Social Proof : Zeigen Sie Ihre zufriedenen Kunden, um neue dazuzugewinnen !  

Inbound Marketing : Eine eigene Homepage ist allgemein eine großartige Methode für digitale Acquisition. Der Erfolg in Internet-Suchmaschinen kann durch SEO-Strategien zusätzlich gesteigert werden.  

Email Marketing : Internetuser melden sich auf tollen Webseiten gerne für Newsletter an.    

Diverse zusätzliche Features : Sie können auf Ihrer Seite einen Online-Termin-Kalender (Calendly etc.) einbauen, eine Online-Zahlmethode integrieren,  einen passwort-gesicherten Mitgliederbereich einrichten, und vieles mehr.  

Zusammenfassend lässt sich festhalten : Es besteht keine Verpflichtung, dass Sie als Freelancer eine eigene Internetseite betreiben – solange Ihr Vertrieb durch andere Methoden funktioniert. Für die meisten Selbständigen wird das Leben mit einer Homepage aber viel einfacher sein. Und wenn Sie im digitalen Bereich tätig sind, gibt es keinen ernsthaften Grund, dass Sie keine eigene Seite haben !

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