Interessante Fakten zu Jazz, KI und Meinungsfreiheit

Seit 2011 organisieren die UNESCO und ihr Goodwill Ambassador Herbie Hancock (ein berühmter Jazzpianist) den Global Jazz Day.
Es gibt immer eine Gastgeber-Stadt, aber Events werden auch in Dutzenden von anderen Ländern ausgerichtet : Konzerte natürlich, Ausstellungen von Jazz-Photos, Jazz and Poetry -Abende und mehr. Manche teilnehmenden Künstler mischen Jazz mit World Music oder anderen Genres. Und manchmal kann das Publikum traditionelle Instrumente aus bestimmten Regionen entdecken, wie zum Beispiel die Oud – ein Saiteninstrument, das vom Iraker Naseer Shamma beim Jazz Day 2025 in Abu Dhabi/ VAE gespielt wurde.

Die Edition 2026 wird in Chicago gehosted
Der International Jazz Day 2026 findet in Chicago/ USA statt. Ein spezieller Ort und ein spezieller Zeitpunkt.
Die Stadt am Lake Michigan hat mit dem « Chicago Stil » der 1920er Jahre ihr eigenes Kapitel in der Jazzgeschichte. Herbie Hancock selbst wurde hier 1940 geboren. Und am 4 Juli 2026 gibt es auch den 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten von Amerika.
Das All-Star Global Concert 2026 bringt neben etablierten Stars wie Dee Dee Bridgewater (Gesang) und James Carter (diverse Saxophone) jüngere Musiker wie Melissa Aldana (Tenorsaxophon) und Emmet Cohen (Piano) auf die Bühne.
Jazz fördert die Improvisation
Alle Kunstgattungen beruhen auf Kreativität. Im Jazz gibt es das zusätzliche Erfordernis von spontaner Kreativität – genau das ist Improvisation. Improvisation ist sogar ein fundamentales intrinsisches Element dieser Musik. Für jeden, der an Kreativität oder Improvisation interessiert ist, gibt es nichts Besseres, als Jazz zu hören.
In diesem Zusammenhang stellen manche vielleicht die Frage nach einer möglichen Beziehung von Jazz und Künstlicher Intelligenz.
KI kann sehr nützlich für automatische Transkriptionen sein. Kann sie aber Jazzmusik generieren ?
Die erste Frage ist natürlich, welche Art von Jazz produziert werden soll : KI kann zweifellos eine « jazzige Hintergrundmusik » für diverse (nicht-künstlerische) Zwecke generieren. Ein Künstler, der Live-Auftritte realisieren will, benötigt aber NI (natürliche Intelligenz).
Die zweite Frage ist, ob KI zu Improvisation fähig ist. Alle KI-Tools erfordern präzise Instruktionen (Prompts). Wenn man eine gute KI-Musik-Software hat, muss man ein genaues Prompt schreiben, welches die zu erzeugende Akkordstruktur und Noten etc. festlegt.
Ein solches Prompt ist grundsätzlich eine Art von Komposition. Schriftliche Kompositionen sind aber das Gegenteil von Jazz – der ja spontane Improvisation erfordert. KI kann also Improvisationen, die schon von anderen gemacht wurden, nachahmen. Sie kann aber selbst nicht improvisieren.
Die dritte Frage mag sein, ob KI künstlerische Innovation in diesem musikalischen Genre fördern kann. Alle wichtigen Musiker in der Geschichte des Jazz waren Individualisten, die Dinge taten, die niemand vor ihnen jemals tat. Manche konnten nicht einmal Noten oder Akkordabfolgen lesen. Manche konnten nicht einmal ihr Instrument richtig spielen, wie etwa Thelonious Monk. KI kann bereits existierende Muster reproduzieren. Innovationen können aber nur von menschlichen Genies kommen.
Einige Jazzmusiker haben eine recht positive Meinung zur KI. Sogar der Jazz-Day-Botschafter Herbie Hancock, der mit der BBC über KI sprach.

Jazz bestärkt junge Menschen
Das beste Beispiel für diesen Satz ist die Sant Andreu Jazz Band aus Barcelona, unter der Leitung des charismatischen Jazzlehrers Joan Chamorro. Diese Band setzt sich aus Musikern im Alter von 5 bis etwa 20 Jahren zusammen, manchmal mit Beteiligung von älteren Profimusikern.
Die musikalische Reife dieser jungen Leute ist herausragend. Die Solisten spielen oft auf dem Niveau von ausgebildeten erwachsenen Musikern. Sie können das selbst prüfen, zum Beispiel anhand der Darbietung von « Recado Bossa » .
In diesem Video sieht man die jungen Musiker Marcal Perramon (Tenorsaxophon) und Victor Carrascosa (Trompete) auf eine Weise spielen, die Lee Morgan und Hank Mobley mit Dankbarkeit lächeln ließe. Beide Spanier sind in der Zwischenzeit Berufsmusiker geworden.
Die jungen Musiker von Joan Chamorro lernen, wie man Jazzsoli vor einem Publikum darbietet, manche von ihnen beherrschen mehrere Instrumente, und manche singen auch auf der Bühne (in mehreren Sprachen).
Einer der größten Namen des spanischen Jazz kommt aus dieser Band – Andrea Motis (Trompete, Saxophon, Gesang). Die Liste wächst bereits.
Die UNO sagt : Jazz ist ein Vektor für Meinungsfreiheit und ein Symbol für den Frieden
Jazzmusiker sind die Meister der musikalischen Meinungsfreiheit. Meinungsfreiheit betreffend politische, gesellschaftliche und gesundheitsbezogene Themen ist aber eine schwierige Sache – für alle Bürger, und sogar in Europa.
Meinungsfreiheit erfordert Mut. Diejenigen, die diesen Mut unter Beweis stellen, zahlen hierfür oft einen Preis : ihre Social Media-Profile werden gelöscht, sie erfahren berufliche Nachteile, und manches mehr.
Eine der drängendsten geopolitischen Fragen im Jahr 2026 ist die Situation im Nahen Osten. Mehrere großartige Jazzmusiker kommen aus dieser Region.
Ibrahim Maalouf ist ein französischer Trompeter mit Wurzeln im Libanon. In seiner Musik integriert er auf meisterhafte Weise arabische Einflüsse, wie zum Beispiel in « Beirut » (klicken Sie hier zum Hören auf Youtube) .
Avishai Cohen ist ein Trompeter, der in Tel Aviv lebt. Als der Musiker sein letztes Album « Ashes to Gold » vorbereitete, fielen Bomben auf seine Stadt.
Beide Künstler haben Stellungnahmen zum aktuellen Konflikt abgegeben, die ihren dringenden Wunsch nach Frieden ausdrücken.


