Diese berühmten Franzosen haben uns verlassen

alt: photo of a chair in a park
PC: L. Stoeger

28 Dezember 2025 : Brigitte Bardot (91, Schauspielerin und Tierschützerin)

« Le Figaro » nennt sie die « schönste Frau des 20. Jahrhunderts », die am Ende ihres Lebens « das Bild einer rassistischen Frau gegeben habe ». 

Man kann auch sagen : diese Ikone des französischen Kinos hat alle verblüfft – sowohl mit ihrer physischen Attraktivität, als auch mit der Rohheit ihrer Aussagen.

Nach einer Kindheit und Jugend im großbürgerlichen Milieu beginnt sie 1952 ihre Schauspielkarriere. Der Film « Und immer lockt das Weib » aus 1956 macht sie weltberühmt. Der originale französische Filmtitel lautet übrigens : Und Gott schuf die Frau (Et dieu créa la femme). Unter dem Regisseur Roger Vadim, der auch ihr erster Ehemann war, spielt sie darin die Hauptrolle neben Curd Jürgens und Jean-Louis Trintignant.

Für den Regisseur Claude Lelouch war dieser Film ein Vorläufer der Nouvelle Vague des französischen Kinos. Lelouch selbst wird nie mit Bardot arbeiten. In ihren insgesamt 46 Filmen dreht sie insbesondere unter Henri Verneuil (Affäre einer Nacht, 1960), Louis Malle (Viva Maria, 1965) und Jean-Luc Godard (Masculin-Féminin, 1966).

Mit Serge Gainsbourg hat die Schauspielerin auch Lieder aufgenommen, wie etwa « Je t’aime moi non plus (Ich liebe Dich auch nicht) » und « Comic strip ».

Ihr hoher Bekanntheitsgrad bringt ihr die Ehren der Republik. 1969 wird sie zur Marianne (der Personifikation der Französischen Republik), nach einer Entscheidung der Vereinigung der Bürgermeister von Frankreich. 1985 will ihr François Mitterrand die Ehrenlegion verleihen, doch sie lehnt diese ab, und erklärt, dass sie diese « den leidenden Tieren widmet ».

Ihr Engagement für den Tierschutz hat offenbar 1973 begonnen, anlässlich der Dreharbeiten zu ihrem letzten Film. Damals hat sie angeblich eine Ziege vor der Schlachtung gerettet.

Brigitte Bardot ist aufgrund ihres Einsatzes zum Schutz von jungen Robben bekannt. In der Tat betreffen die Projekte der « Brigitte Bardot-Stiftung » eine Vielzahl von Ländern. Die Künstlerin partizipiert auch bei der Durchsetzung der Verwendung eines speziellen Tötungsapparats in der französischen Fleischindustrie, und sie interessiert sich für zahlreiche andere Tierschutzthemen, wie etwa Tierversuche im Kosmetiksektor. Sie spricht sich auch gegen den Verzehr von Pferdefleisch aus :

« Die Franzosen sollen einfach aufhören, Pferdefleisch zu essen, so einfach ist das. Warum essen wir keine Hunde oder Katzen ? Die Franzosen denken nur ans Fressen. Sie sind dick und fett, sterben an einem Infarkt, und die Frauen machen Diäten. Sie sollten weniger essen, und damit anfangen, kein Pferdefleisch mehr zu essen. Es ist abstoßend. « (Brigitte Bardot 1980 auf Antenne 2)

Madame Bardot hat vielleicht die Tiere den Menschen vorgezogen. Die Zeitung « Femme actuelle » zitiert ihre Beschreibung der Schwangerschaft, die zur Geburt ihres Sohnes Nicolas im Jahr 1960 führt, mit den folgenden Worten:

“ Ich habe niemals einen Mutterinstinkt gehabt. (…) Dafür hatte ich keine Zeit (…) ein Alptraum von neun Monaten (…) Es war wie ein Tumor, der sich von mir nährte, den ich in meinem angeschwollenen Fleisch trug, in Erwartung des gesegneten Augenblicks, in dem ich endlich von ihm befreit werden würde. (Ich hätte) vorgezogen, einen kleinen Hund zu gebären. (…) »  (Brigitte Bardot, zitiert in « Femme actuelle ») 

Laut diesem Magazin hat die Autobiographie der Schauspielerin aus dem Jahr 1996, in der ein Teil dieser Aussagen publiziert worden war, zum Bruch zwischen dem Sohn und der Mutter geführt. Der Filmstar hat außerdem auch Schadenersatz an sein Kind zahlen müssen, wegen Beleidigung.

Die frühere Marianne des Jahres 1969 hat noch andere Verurteilungen gesammelt : unter anderem für die Beleidigung von französischen Jägern, für eine exzessive Kritik der rituellen Tierschlachtung von Muslimen, oder für die rassistische Beleidigung von Bewohnern der Insel La Réunion (ein französisches Überseegebiet).

Brigitte Bardot vollbrachte auch Wohltaten, die überhaupt nicht rassistisch waren. In den 1960er Jahren half sie der schwarzen Künstlerin Josephine Baker, die damals finanzielle Schwierigkeiten hatte.

Die Kleinstadt Saint-Tropez mit ihren 3600 Einwohnern, 70 km südwestlich von Nizza gelegen, war bereits der Drehort für « Und immer lockt das Weib ». Kurz nach der Ausstrahlung dieses Films kauft Brigitte Bardot dort ihr Anwesen «  La Madrague ».

Die Schauspielerin war viermal verheiratet – mit Roger Vadim, Jacques Charrier, Günter Sachs und Bernard d’Ormale. Ihr letzter Ehemann ist – laut Paris Match – ein Geschäftsmann und früherer Berater von Jean-Marie Le Pen.

Noch im Mai 2025 hat Madame Bardot dem Sender BFM TV ein langes Interview gegeben, in dem sie physisch und geistig fit wirkt. Nun ist sie in ihrem Haus, im Beisein ihres Gatten Bernard, verschieden.  

Zahlreiche Prominente haben auf ihren Tod reagiert. Vertreter der Tierschutzorganisationen Peta und Spa (Société protectrice des animaux) haben ihre Bemühungen für Tierrechtsangelegenheiten gelobt. Marine Le Pen (Parlamentsabgeordnete der RN-Partei), Rachida Dati (Kulturministerin) und der Staatspräsident Emmanuel Macron haben alle daran erinnert, dass Brigitte Bardot für eine selbstbewusste Freiheit stand. Der Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi, informierte, dass eine Straße oder ein Platz in der Stadt nach dem Star benannt werden soll. Manche Politiker forderten auch eine nationale Ehrung, wie es sie 2017 gab, nach dem Ableben des Sängers Johnny Hallyday. Die Beisetzung von Brigitte Bardot wird wahrscheinlich auf dem Friedhof « cimetière marin « von Saint-Tropez stattfinden.

20 Januar 2025 : Bertrand Blier (85, Regisseur)

Der Euronews-Artikel zum Ableben des französischen Künstlers hatte den Titel « Der gefeierte und kontroversielle französische Regisseur Bertrand Blier stirbt mit 85 ». Das Adjektiv « kontroversiell » kommt natürlich daher, dass Sex in seinen Filmen vorkommt.  

Eine seiner berühmtesten Arbeiten ist « Die Ausgebufften » (Les Valseuses) aus 1974. Gérard Depardieu und Patrick Dewaere interpretieren zwei junge Vagabunden, die eine gute Zeit und Spaß mit Frauen haben wollen. An einem Tag warten sie zum Beispiel vor einem Frauengefängnis, in der Annahme, dass die Damen, die aus dem Haupteingang kommen, für körperliche Kommunikation aufgeschlossen sein könnten. Die Strategie geht auf : Jeanne Moreau hat ihre Haftstrafe abgesessen und freut sich, mit den beiden Burschen einen wolllüstigen Abend zu verbringen.

Drei wichtige Dinge sind bei diesem Film zu betonen. Erstens : die gezeigten sexuellen Begegnungen erfüllen teilweise den Straftatbestand der Belästigung – oder sogar mehr. Zweitens : die künstlerische Beschreibung von einem bestimmten Verhalten – sogar von kriminellem Verhalten – darf nicht mit der Bewerbung dieses Verhaltens verwechselt werden. Künstlerische Freiheit beinhaltet das Recht, auch schwierige und verstörende Themen zu behandeln. Und drittens : das Publikum hat das Recht, ein Kunstwerk zu kritisieren – idealerweise mit guten Argumenten.

Bertrand Blier, der 1939 in einem Pariser Vorort geboren wurde, wird oft als « Bilderstürmer » bezeichnet. Seine Filme verwenden Elemente von Erotik, schwarzem Humor und Absurdität.

Für « Frau zu verschenken » (Préparez vos mouchoirs) aus 1979 gewann er einen Oscar für den besten ausländischen Film. Für « Den Mörder trifft man am Buffet » (Buffet froid) und « Unsere Geschichte « (Notre histoire) erhielt er zwei César-Auszeichnungen in Frankreich.

Gérard Depardieu – ein herausragender Darsteller, der ebenfalls eine kontroversielle öffentliche Wahrnehmung hat – machte 8 Filme mit dem Regisseur und war einer seiner bevorzugten Schauspieler.

Le Figaro informierte, dass Bertrand Blier friedlich in seinem Heim in Paris eingeschlafen ist, umgeben von seiner Frau und seinen Kindern.  

Ist es auch heute noch möglich, Filme wie die von Bertrand Blier zu drehen ? Das ist ungewiss. Hier können Sie die Filme bestellen, bevor es zu spät ist !

17 Januar 2025 : Didier Guillaume (65, Politiker)

Didier Guillaume war Mitglied zweier Parteien : zuerst der Sozialistischen Partei, und ab 2018 der Gruppe RDSE (Rassemblement Démocratique et Social Européen). Außerdem war er auch Politiker in zwei Ländern. In Frankreich war er insbesondere Landwirtschaftsminister, von 2018 bis 2020. In Monaco war er seit September 2024 der Regierungschef (Ministre d’Etat) gewesen.

2018 gab es in manchen französischen Regionen mehrere Fälle von Neugeborenen, die ohne Arme zur Welt kamen. Der EU-Abgeordnete Yannick Jadot (Die Grünen) vermutete, dass die Verwendung von Pestiziden durch Landwirte mit diesem Phänomen in Verbindung stehen könnte, da die betroffenen Familien in der Nähe von Feldern wohnten.

Der Minister Didier Guillaume sagte damals, dass Wissenschaftler beweisen müssten, ob solche phytosanitäre Produkte gesundheitsschädlich seien. Die Zeitung Le Monde widersprach dem Minister mit der Information, dass – nach französischem Recht – der Hersteller die Unbedenklichkeit seiner chemischen Produkte nachweisen müsse.

In der Angelegenheit der behinderten Kinder hat eine Untersuchung durch die staatliche Agentur « Santé Publique France » weder eine ungewöhnliche Häufung der Fälle, noch dieselben Risikofaktoren bei den betroffenen Familien festgestellt.

Didier Guillaume, der seit einer Woche hospitalisiert war, starb laut französischer Medien an einer « blitzschnellen Krankheit ».

7 Januar 2025 : Jean-Marie Le Pen (96, Politiker)

Jean-Marie Le Pen wurde 1928 in der Bretagne geboren. Als sein Vater während des Zweiten Weltkriegs starb, wurde der Sohn Kriegswaise. Der französische Ausdruck hierfür – « Pupille de la nation » (Waise der Nation) – hatte für Le Pen eine besondere Bedeutung :

« Das hat mich tief geprägt. Ich war zweimal ein Kind Frankreichs, daher musste ich den Angelegenheiten meines Landes eine noch stärkere Aufmerksamkeit entgegenbringen. » (Jean-Marie Le Pen in seiner Autobiographie)

Der Bretone war zeitlebens von der Welt des Militärs fasziniert, engagierte sich in seinen frühen Erwachsenenjahren auch selbst als Soldat in den damaligen Konflikten Frankreichs : in Indochina und in Algerien.

Der gelernte Jurist betrieb eine Zeit lang eine Schallplattenfirma. Als Politiker war er bereits seit 1956 aktiv. Die Partei « Front National (heutiger Name : Rassemblement National) » wurde aber erst 1972 gegründet.

Le Pen vertrat stark ausgeprägte nationalistische Positionen, war gegen Immigration und für die Wiedereinführung der Todessstrafe (nach deren Abschaffung im Jahr 1981). Seine Aussage, dass die Gaskammern der Nazis « ein Detail der Geschichte, über das Historiker diskutieren  » gewesen seien, brachte ihm eine Verurteilung zu einer Geldstrafe ein.    

Als FN-Politiker wurde Jean-Marie Le Pen Abgeordneter der französischen Assemblée Nationale, des EU-Parlaments und mehrerer Regionalparlamente Frankreichs. 2002 erreichte er die zweite Runde der französischen Präsidentschaftswahlen, unterlag aber deutlich Jacques Chirac, der 82,21 % der Stimmen erhielt.

Seiner Tochter Marine Le Pen widerfuhr dasselbe Schicksal. Sie verlor 2017 gegen Emmanuel Macron, mit 33,90%. Bei der Wahl 2022 verlor Marine Le Pen wiederum gegen Macron, mit 41,45%.

2011 wurde Jean-Marie Le Pen von der Tochter an der Spitze der Partei abgelöst. Aufgrund wiederholter provokativer Wortmeldungen wurde er  2015 sogar vom « Front National « ausgeschlossen. Nach einer Anfechtung dieser Maßnahme bekam der Vater dann aber doch den Status des Ehrenpräsidenten der Partei zugesprochen.

Jean Marie Le Pen war ein Patriarch. Die Familie domizilierte in einer somptuösen Villa im Pariser Vorort Saint Cloud, die sie durch einen verstorbenen reichen Gönner (Hubert Lambert) erhalten hatte. Von den drei Töchtern wurde Marine le Pen (*1968) die Nachfolgerin des Vaters in der Partei. Die Enkelin Marion Maréchal Le Pen (*1989) wurde ebenfalls Politikerin. Nach ihren Anfängen beim FN ist sie aktuell für die Gruppierung « France Identité Libertés » Abgeordnete des EU-Parlaments.

Die erste Ehefrau Le Pens, Pierrette Lalanne, erregte Aufsehen, als sie nach der Trennung für 400 000 Francs heiße Playboy-Photos machte.

Der Politiker hat nicht nur seine Soldatenzeit heil überlebt, sondern auch einen Bombenanschlag auf sein Pariser Wohnhaus im Jahr 1976. Den Verlust eines Auges – laut Le Figaro durch einen Unfall im Jahr 1965 – kaschierte er jahrelang durch eine Augenbinde.

Jean-Marie le Pen, der sich – ungeachtet seiner politischen Positionen – durch große Belesenheit und ein starkes rhetorisches Talent auszeichnete, war bis ins hohe Alter aktiv gewesen. Er starb am 7 Januar 2025 mit 96 Jahren in einer medizinischen Einrichtung im Pariser Vorort Garches.

Am 30 Januar 2025 wurde sein Grab auf dem Friedhof der bretonischen Stadt La-Trinité-sur-Mer mit einem Vorschlaghammer schwer beschädigt. Der Friedhof wurde vorübergehend gesperrt, die Polizei ermittelt. Der französische Innenminister schrieb auf X:

„Die Verwüstung des Grabes der Familie Le Pen ist von einer absoluten Niedertracht. Der Respekt der Toten ist es, was die Zivilisation von der Barbarei unterscheidet.“ (Innenminister Bruno Retailleau)

9 September 2024 : Caterina Valente (93, Show Star)

Frau Valentes offizielle Homepage enthält ein Zitat von Bruno Coquatrix, dem Besitzer des Olympia-Theaters in Paris :

« Von den drei größten Damen im internationalen Music-Hall – Barbra Streisand, Liza Minnelli und Caterina Valente – ist zweifellos Caterina am ehrgeizigsten und professionellsten. » (Bruno Coquatrix)

Madame Valente wurde 1931 in Paris geboren, und sie war auch eine französische Staatsbürgerin (genauer gesagt hatte sie sowohl die französische als auch die italienische Staatsbürgerschaft). Wenn man aber heute einen Franzosen auf der Straße fragt, ob er sie kennt, wird die Antwort wahrscheinlich « Non » lauten. Denn bereits ab 1979 gab sie keine Konzerte mehr in Frankreich.  

Die Tochter von italienischen Musikern, die mit Ihrer Vaudeville-Show in ganz Europa herumreisten, ging nie in eine reguläre Schule, aber sie lernte mehr als die, die dort waren. Signora Valente spielte mehrere Instrumente, sie beherrschte sechs Sprachen fließend, und sie war in der Lage, auf mehreren künstlerischen Pfaden zu wandeln – sei es in der Musik, in Filmen, oder in TV Shows.

Valente verstand den Jazz, und bewies dies bereits in den frühen 1950ern, als sie mit Chet Baker während einer seiner ersten Europa-Tourneen eine Platte aufnahm. In den 1980ern tourte sie selbst mit dem Count Basie Orchestra unter Thad Jones.

« Ganz Paris träumt von der Liebe « – ihre deutsche Version des Cole Porter-Songs, wurde 1954 ein großer Hit in Deutschland. In der Folge driftete Valente für mehrere Jahre in die Deutsche Schlager-Szene ab – sowohl als Sängerin, wie auch als Schauspielerin. Ihre Schlagerfilme – in denen sie neben populären Entertainern wie Peter Alexander auftrat – waren von begrenztem künstlerischen Interesse, aber kommerziell sehr erfolgreich.

Seit den 1960ern trat Valente in großen amerikanischen Fensehshows von Stars wie Dean Martin oder Bing Crosby auf. Und dann bekam sie ihre eigenen TV-Shows bei amerikanischen, italienischen und deutschen Rundfunkanstalten.  

Die vielseitige Sängerin arbeitete mit einer langen Liste an Stars des internationalen Showbiz – sei es Louis Armstrong für eine TV Show, oder Michel Legrand für eine gemeinsame Konzerttournee. Ihren allerletzten Auftritt hatte sie in einer italienischen TV-Sendung im Jahr 2003.

Caterina Valente starb eines natürlichen Todes in ihrem Haus in Lugano, Schweiz. Ihre beiden Söhne war in ihren letzten Momenten bei ihr.

Hier können Sie die Werke von Caterina Valente bestellen.

18 August 2024 : Alain Delon (88, Schauspieler)

Delon, geboren im Jahr1935, verbrachte eine unstete Kindheit in den südlichen Vorstädten von Paris. Als sich seine Eltern scheiden ließen, kam er in eine Pflegefamilie. Der neue Vater war ein Gefängniswärter, also spielte Delon mit den Kindern des Gefängnispersonals im Knast-Vorhof.  Sein biologischer Vater war ein Kinobesitzer – daher konnte Delon so viele Filme gucken wie er wollte. Der nächste Ehemann seiner Mutter war ein Metzger – so absolvierte auch Delon eine Fleischhauerlehre. 1953 ging er für drei Jahre zur französischen Armee, mit einem Auslandseinsatz in Vietnam (Indochina).

Zurück in Paris im Jahr 1956 jobbte der junge Mann als Kellner, wurde aufgrund seines guten Aussehens entdeckt, und spielte 1957 seine erste Filmrolle. Schon um 1960 arbeitete der Schauspieler mit wichtigen Regisseuren wie Luchino Visconti (Rocco und seine Brüder, Der Leopard) oder Michelangelo Antonioni (Liebe 1962). Unter seinen anderen berühmten Arbeiten sind « Der Swimmingpool », seine Serie von Polizisten-Filmen, und « Asterix bei den Olympischen Spielen ».  Insgesamt wirkte er als Schauspieler in etwa 90 Filmen mit. Daneben war er auch Filmproduzent.

Delon stand im Ruf, vom kriminellen Milieu fasziniert zu sein. Einige inhaftierte Ganoven erfreuten sich seiner Besuche. Sein Name erschien sogar in Justiz-Akten :

1968 wurde Delons Leibwächter unter merkwürdigen Umständen ermordet (Affäre Markovic, siehe dazu auch den Abschnitt in diesem Artikel zu Roland Dumas). Der Hauptverdächtige war François Marcantoni, ein Organisateur von Sex-Parties für die High-Society. Die Ermittlungen gegen Marcantoni, der ein Freund von Delon war, wurden von den Behörden schließlich eingestellt.

2024 konfiszierte die französische Polizei im Landhaus des Stars 72 Waffen, für die es keine Genehmigung gab. Der Staatsanwalt verfolgte den Fall aber nicht weiter, mit Blick auf das fortgeschrittene Alter Delons.

Der Filmstar war auch bekannt für seine Freundschaft mit dem französischen Politiker Jean-Marie Le Pen, und für seine Romanze mit der Schauspielerin Romy Schneider um 1960. Delon hinterlässt drei offizielle Kinder. Ein weiterer angeblicher Sohn von Alain Delon (Ari Boulogne), der sogar von der Mutter Delons adoptiert worden war, starb 2023 im Alter von 60 Jahren, nach einem schwierigen Leben mit Drogenmissbrauch und Gesundheitsproblemen.

Einer der bemerkenswerten Filme Delons ist « Endstation Schafott » (Deux hommes dans la ville) aus 1973.

Delon mimt hier einen entlassenen Häftling, der versucht, auf der rechten Bahn zu bleiben. Ein Sozialarbeiter (gespielt von Jean Gabin) unterstützt ihn dabei. Trotz seiner Bemühungen wird er erneut kriminell. Der Film behandelt auch auf beeindruckende Weise das Thema der Todesstrafe, die in Frankreich bis 1981 praktiziert wurde. Die Abschaffung der Todesstrafe erfolgte unter dem Justizminister Robert Badinter. Lesen Sie gerne den Abschnitt dieses Artikels zum Tod Badinters im Februar 2024, um mehr über dieses Kapitel der französischen Rechtsgeschichte zu erfahren.

Klicken Sie hier, um Filme von Alain Delon zu bestellen.

3 Juli 2024 : Roland Dumas (101, früherer französischer Außenminister)

Roland Dumas wurde 1922 in Limoges geboren. Sowohl er als auch sein Vater waren während des Zweiten Weltkriegs in der französischen Résistance. Der Vater wurde von der Gestapo exekutiert, der junge Roland musste den Toten nach der Exhumierung identifizieren.

Seit 1950 war Dumas Strafverteidiger in Paris. Er arbeitete an verschiedenen Fällen mit hohem Medieninteresse, wie etwa der Affäre Markovic (siehe hierzu den Abschnitt zu Alain Delon in diesem Artikel). Er war auch der Anwalt von Abou Daoud, dem Organisateur des Anschlags auf das israelische Team bei den Olympischen Spielen in München im Jahr 1972. Unter Dumas’ Klienten waren auch Künstler wie etwa Marc Chagall oder Placido Domingo.

Während der Amtszeit des Präsidenten Mitterrand in den 1980er Jahren wurde der Anwalt ein Mitglied der französischen Regierung. Er war Minister für europäische Angelegenheiten, Regierungssprecher und Außenminister. Dumas und Mitterrand waren seit 1948 persönliche Freunde.  

Von 1995 bis 1999 war Dumas auch der Vorsitzende des französischen Verfasssungsrats. 1999 zog er sich aber von dieser Position zurück, da sich die sogenannte « Dumas-Affäre « verdichtete.

Dumas’ Leidenschaft für Frauen hatte ihn mehrfach in delikate Situationen gebracht. Als er Minister war, hatte er mit der Tochter des syrischen Geheimdienstchefs eine Affäre. Eine andere Geliebte war Christine Deviers-Joncour, eine Mitarbeiterin des Ölunternehmens Elf Acquitaine, die bis 1994 in Staatsbesitz war. Madame Deviers-Joncour hatte von Elf 9,8 Millionen EUR für ihre Arbeit erhalten. Die Dumas-Affäre betraf die Frage, ob Teile dieser Summe an Monsieur Dumas weitergereicht wurden – für gewisse politische Gefälligkeiten.

2001 brachte die Dumas-Affäre Roland Dumas in erster Instanz eine Verurteilung zu sechs Monaten unbedingter Haft, 2 Jahren auf Bewährung, und einer Geldstrafe von einer Million Francs. Der Prozess in zweiter Instanz führte 2003 jedoch zu einem Freispruch durch das Berufungsgericht in Paris.

Madame Deviers-Joncour wurde in der Dumas-Affäre zu 18 Monaten unbedingter Haft und 12 Monaten auf Bewährung verurteilt. Später schrieb sie einen Bestseller mit dem Titel « Die Hure der Republik » (La putain de la république).  

Noch im Alter von 90 arbeitete Dumas als Rechtsanwalt, genauso wie sein Freund, der berühmte französische Anwalt Jacques Vergès (1924 – 2013). Mit einer Neigung für provokante Formulierungen kommentierte er internationale Fragen, wie etwa die Rückkehr Frankreichs in die militärische Kommandostruktur der Nato unter Präsident Sarkozy :

„Wir hätten niemals in das Nato-Kommando zurückkehren dürfen. Früher waren die Amerikaner viel aufmerksamer für unsere Positionen. Das ist logisch : wenn sich Ihnen eine junge Frau nicht hingibt, verdoppeln Sie Ihre Bemühungen. » (Roland Dumas, Ex-Außenminister Frankreichs)

Der frühere französische Präsident François Hollande gedachte Roland Dumas mit den folgenden Worten : 

« Was von ihm bleiben wird, ist sein Talent als Diplomat. Er hatte diese seltene Begabung, mehrere Sprachen zu sprechen, stets verführerisch und intelligent zu sein. Und er war auch fähig, durch eine Verhandlung eine Reihe von Problemen zu lösen. Roland Dumas hat seine Talente als Anwalt und sein außergewöhnliches Verhandlungsgeschick verwendet, um seinem Land zu dienen. » (François Hollande)

18 Juni 2024 : Anouk Aimée (92, Schauspielerin)

Die Künstlerin, deren echter Name Nicole Dreyfus war, spielte in mehreren Kultfilmen der 1960er Jahre. Mit Federico Fellini drehte sie 1960 « La dolce vita », für Claude Lelouch stand sie 1966 für « Ein Mann und eine Frau » vor der Kamera. Der Regisseur Jacques Demy machte ebenfalls zwei Filme mit ihr. Madame Aimée war viermal verheiratet und hatte eine Tochter.  

12 Juni 2024 : Françoise Hardy (80, Sängerin)

Françoise Hardy war erst 18 Jahre alt, als sie 1962 ihren ersten Hit hatte (Tous les garçons et les filles/ Alle Jungs und Mädchen). 1963 erreichte sie beim Eurovision Song Contest den fünften Platz, mit dem Lied « L’amour s’en va » (Die Liebe geht).

Mick Jagger und Bob Dylan waren von ihr fasziniert, doch sie wählte einen französischen Sänger, Jacques Dutronc, mit dem sie einen Sohn hat, der ebenfalls Sänger ist – Thomas Dutronc.

Ab etwa 1970 gab sie keine Konzerte mehr, ihre spätere Musik wurde im Studio aufgenommen. In ein paar Filmen war Hardy auch als Schauspielerin zu sehen. Zu einer großen Leidenschaft von ihr wurde die Astrologie.

Hardys Gesundheit war seit vielen Jahren schlecht gewesen : eine erste Krebsdiagnose (Non-Hodgkin-Lymphom) im Jahr 2004, ein künstliches Koma im Jahr 2016, ein neuer Krebs 2019, 45 Radiotherapien, schwere Atemprobleme. 2019 schrieb die Sängerin, die sich auch für Sterbehilfe einsetzte :

« Ich habe keine Angst zu sterben. Aber ich habe sehr sehr große Angst vor dem Leiden. Umso mehr, weil ich bereits leide. » (Françoise Hardy, französische Sängerin)

21 März 2024 : Frédéric Mitterrand (77, Politiker)

Der Neffe des früheren französischen Staatspräsidenten François Mitterrand (1916  – 1996), war von 2009 bis 2012 Kulturminister unter Präsident Sarkozy.

Frédéric Mitterrand, der einen Doktor in Geschichte hatte, war von der Welt des Kinos begeistert. Etwa 15 Jahr lang betrieb er mehrere Kinos in Paris, beendete dies aber wegen finanzieller Schwierigkeiten. 1982 begann er, für das französische Fernsehen als Moderator zu arbeiten, 2003 wurde er Programmdirektor für die französische TV-Station TV5.

Mitterrand beschrieb seine Homosexualität in einem autobiographischen Roman (La mauvaise vie/ Das schlechte Leben). Teile dieses Buches, in denen er Erfahrungen mit Prostituierten beschreibt, wurden kritisiert als er Minister wurde.

9 Februar 2024 : Robert Badinter (95, Politiker)

Als der Anwalt und Jura-Professor unter Präsident François Mitterrand in 1981 Justizminister wurde, schrieb er ein wichtiges Kapitel in der französischen Rechtsgeschichte. Er initiierte das Gesetz zur Abschaffung der Todesstrafe in Frankreich.

« Die französische Justiz wird nicht länger eine Justiz sein die tötet. » (Robert Badinter, frz. Justizminister, 1981)

Als Badinter das Gesetz dem französischen Parlament vorschlug, waren 62% der Bevölkerung gegen die Abschaffung. Die französische Nationalversammlung nahm das Gesetz mit 369 gegen 113 Stimmen an. Die zweite Parlamentskammer (der Senat) stimmte mit 161 gegen 126 zu.

Die Todesstrafe wurde in Frankreich mit der Guillotine ausgeführt. Der letzte Gebrauch fand im Jahr 1977 statt. Die Abschaffung wurde 1981 rechtskräftig, 2007 wurde das Verbot der Todesstrafe auch in die Verfassung aufgenommen (Artikel 66-1). 

Robert Badinter wurde 1986 der Vorsitzende des französischen Verfassungsrats. Er wirkte auch an der Ausarbeitung der Verfassung von Rumänien aus 1991 mit. Von 1995 bis 2011 war er für die Sozialistische Partei ein Abgeordneter des Senats.

Badinter hatte in Nazi-Konzentrationslagern Familienangehörige – unter ihnen seinen jüdischen Vater – verloren. Die französische Philosophin Elisabeth Badinter wurde seine zweite Ehefrau und Mutter seiner drei Kinder.  

   Teilen Sie diesen Beitrag mit Freunden

   Mehr Artikel zu Stars und Prominenten